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Meliorationstour

Spurensuche per Rad, Kanu oder zu Fuß

Sie haben die Möglichkeit das ehemalige Eyterbruch auf zwei vorwiegend asphaltierten Radrouten oder auf der Paddelstrecke des Meliorationshauptkanals und der Eyter zu erkunden. Die grüne Radroute Thedinghausen – Bruchhausen-Vilsen verläuft auf einer Länge von ca. 54 km und die rote Radroute Bruchhausen-Vilsen – Hoya auf einer Länge von ca. 38 km auf einem Rundkurs. Beide Routen zusammen sind insgesamt ca. 92 km lang. Bei gutem Wetter können Sie auch mit dem Rad direkt an der Eyter auf unbefestigten Wegen fahren. Diese Streckenabschnitte sind allerdings nicht ausgeschildert und die Benutzung erfolgt auf eigene Gefahr. Die Paddelstrecke Bruchhausen-Vilsen bis zum Eyterschöpfwerk in Thedinghausen- Eißel beträgt ca. 22 km. Entlang der Strecke befinden sich die in der umseitigen Karte eingezeichneten sieben Einund Ausstiegstellen für Kanuten und fünf allgemeine Infotafeln sowie zehn thematische Hinweistafeln mit touristischen Hinweisen. Die Wassertiefe beträgt abhängig von den jeweiligen Stauständen zwischen 50 und 180 cm und ist aufgrund der geringen Fließgeschwindigkeit besonders geeignet für Anfänger und Familien. In Teilabschnitten kann es zu Verkrautungen kommen.

Begibt man sich heute in das Gebiet des ehemaligen Eyterbruchs zwischen Thedinghausen, Emtinghausen, Schwarme, Bruchhausen-Vilsen und Hoya, so ahnt man nicht mehr, dass hier vor fast 130 Jahren das größte Projekt zur Be- und Entwässerung landwirtschaftlicher Flächen in Mitteleuropa durchgeführt wurde.

Was heißt Melioration?

Das Wort Melioration kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie eine Bodenverbesserung zur Steigerung der landwirtschaftlichen Ertragsfähigkeit der Böden. Die Be- und Entwässerung von Böden ist wohl die wichtigste Aufgabe von Meliorationen.

Was geschah im Eyterbruch?

Die Niederung beidseitig der Eyter wurde in früheren Urkunden als Sumpfland bezeichnet, das mit Erlenwald bestanden war. Da der Bedarf an Holz groß war, war der Wald im Eyterbruch um 1600 fast völlig abgeholzt. Die waldfreien Flächen wurden nun als Wiesen genutzt. Die Bauern mussten die Wiesen zur Heuernte befahren können. Zur Verbesserung der Entwässerung in diesem sumpfigen Gebiet wurden erste Maßnahmen durchgeführt, die jedoch wenig erfolgreich waren: Das Eyterbruch blieb morastig und die Heuernte der Bauern fiel häufig buchstäblich ins Wasser. Die Heuwagen versanken teilweise bis zu den Achsen im Morast. 1719 wurde der erste Plan zur systematischen Entwässerung vorgelegt. Alle durchgeführten Maßnahmen brachten jedoch nicht die gewünschten Ergebnisse.

Ab dem Jahre 1852 blieb im Eyterbruch die Überschwemmung mit schlickreichem Weserwasser aus, da im Bereich Hoya die linke Weserdeichlinie geschlossen wurde. Die winterlichen Weserüberschwemmungen waren den Bauern aber durchaus willkommen, da der angeschwemmte Weserschlick die Wiesen im Eyterbruch auf natürliche Weise düngte. Das Ausbleiben der Überschwemmungen führte so auch zu einem Rückgang der Erträge im Eyterbruch.

Im Jahre 1882 gründeten Bruchhausen-Vilsen, Syke und Thedinghausen gemeinsam eine Meliorationsgenossenschaft, um über ein ausgefeiltes System einer gezielten winterlichen Überflutung der Felder mit schlickreichem Weserwasser die Fruchtbarkeit der Flächen zu fördern. Zu diesem Zweck wurde bei Hoya der von der Weser abzweigende Meliorationshauptkanal gebaut. Über Buleitungskanäle wie den Thedinghauser Kanal und ein sich weiter verästelndes System von Zuwässerungsgräben, Stauanlagen, Leitdämmen sollte die Bewässerung mit Weserwasser sichergestellt werden. Zur gezielten Entwässerung der Flächen wurden die Eyter und der Süstedter Bach begradigt und vertieft. Insgesamt war das Meliorationsgebiet 4.600 ha groß. Die Bewässerung wurde über insgesamt 524 Stauanlagen und 375 Kilometer Wasserläufe sichergestellt. Das Genossenschaftsgebiet wurde in 53 Reviere eingeteilt. 1888 waren alle Anlagen im Meliorationsgebiet fertig gestellt. Die Baukosten beliefen sich auf 3,3 Mio. Mark.

In den ersten Betriebsjahren konnte die Melioration die Erwartungen der Bauern nicht erfüllen: Die düngende Bewässerung konnte nur ab einem gewissen Hochwasserstand der Weser erfolgen. Es gab verschiedene technische Mängel an dem System. Die tiefen Entwässerungsgräben zur Abführung des Bewässerungswassers bewirkten im Sommer eine Austrocknung des Grünlandes.

Aus diesen Gründen wurde das Meliorationsgebiet bereits ab 1898 aufwändig saniert. Dies führte dazu, dass die Ernteerträge tatsächlich gesteigert werden konnten. Bis 1938 waren für die Sanierung weitere rd. 2 Mio. Mark ausgegeben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und durch das Weserhochwasser von 1946 waren die Meliorationsanlagen in einem schlechten Zustand. Zwischen 1949 und 1954 versuchte man noch einmal die Funktionstüchtigkeit herzustellen. 1961/62 wurde die Bewässerung dann ganz eingestellt. 1967 wurde die Meliorationsgenossenschaft in den Wasserverband Geestrandgraben mit Sitz in Syke umgewandelt. Dieser neue Verband wurde dem 1955 gegründeten Mittelweserverband unterstellt.

Das Projekt Melioration hat die Landschaft um Thedinghausen, Bruchhausen-Vilsen und Hoya verändert und geprägt. Noch heute sind Teile des Gewässersystems und einzelne Stauanlagen zu sehen, die an diese kulturtechnischen Leistungen erinnern.

Quellen: • „Schwarme – Strukturwandel eines Dorfes am Beispiel der Melioration“ von H.G. Fischer von 1994 • Internet „www.biovoigt.de , von Jochen Voigt aus Gessel • Verschiedene Ausgaben der Kreiszeitung • H. Borcherding: Strukturwandel durch Melioration • H. Brückner: Zur Geschichte der Melioration des Eyterbruchs